Informationen über Pumpen- und Dichtungstechnik
Zuletzt geändert am 30.09.2008 um 12:18
Die einfachwirkende Gleitringdichtung erfüllt, bedingt durch verschiedenste Sicherheits- und Umweltbestimmungen sowie immer schwieriger abzudichtenden Medien, oftmals nicht die gewünschten Anforderungen. Aus diesem Grund mußte eine Gleitringdichtung entwickelt werden, die verhindert, das bei einem Ausfall der selben, Förderflüssigkeit in die Umgebung (Atmosphäre) abgegeben wird. Die einfachste Möglichkeit so etwas umzusetzen besteht darin, zwei einfachwirkende GLRD zu koppeln. Das ganze nennt man dann eine doppeltwirkende GLRD.
Wie schon bei der einfachwirkenden GLRD, hat die erste GLRD die Aufgabe, die Förderflüssigkeit von der Atmosphäre zu trennen. Sollte diese GLRD einmal ausfallen, fängt eine zweite GLRD diese Undichte auf und verhindert so eine Leckage nach außen. Da die zweite GLRD im Prinzip aber erst dann zum Einsatz kommt, wenn die erste ausfällt, würde sie bis zu diesem Zeitpunkt ohne Förderflüssigkeit und damit, ohne Kühlung und Schmierung laufen. Die GLRD würde also trocken laufen und noch vor dem Ausfall der ersten GLRD zerstört werden.
Aus diesem Grund flutet man den Zwischenraum (über ein externes System), mit einer sauberen und ggf. produktverträglichen Flüssigkeit (im folgenden Sperrflüssigkeit genannt), um die zweite GLRD zu kühlen und zu schmieren. Bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass die Sperrflüssigkeit gleichzeitig als Quenschung der ersten GLRD fungiert.
Es sollte darauf geachtet werden, dass die Sperrflüssigkeit zirkulieren kann, um die entstehende Wärme und evt. anfallenden Feststoffteilchen abzuführen. So einen Aufbau nennt man auch Thermosyphonsystem. Dabei wird über ein höher gelegenen Behälter die Sperrflüssigkeit durch eine Zulaufleitung an die GLRD geführt und über eine Rücklaufleitung wieder zurück in den Behälter. Durch die entstehende Wärmeentwicklung an der GLRD, zirkuliert die Sperrflüssigkeit praktisch von ganz alleine, denn Wärme steigt bekanntlich nach oben. Um die Zirkulation noch weiter zu verbessern, kann innerhalb des Dichtungsraumes eine zusätzliche Pumpnut bzw. ein Fördergewinde an der Wellenschutzhülse angebracht werden. Des Weiteren kann der Behälter durch eine Kühlschlange erweitert werden um die Sperrflüssigkeit zusätzlich zu kühlen. Dieses "drucklose" System kann jedoch nicht bei jeder Doppeldichtung angewendet werden. Dazu später mehr!
Um aber zu verhindern, das sich bei einem Ausfall der ersten GLRD, die Förderflüssigkeit in den Dichtungsraum drückt und somit die Sperrflüssigkeit und die zweite GLRD verunreinigt, beaufschlagt man die Sperrflüssigkeit mit einem Druck, der ca. 1-2 Bar höher sein sollte, als der maximale Druck der Förderflüssigkeit. Solch ein System nennt man auch Sperrdrucksystem und ist bis auf die Druckbeaufschlagung gleichzusetzen mit einem Thermosyphonsystem.
Spätestens jetzt sollte man sich die Frage stellen, ob eine Druckentlastung, wie sie bei der einfachwirkenden GLRD verwendet wird, immer noch besteht. Denn auf die Gleitflächen wirkt sowohl der Druck der Förderflüssigkeit als auch der Druck der Sperrflüssigkeit. Und was passiert, wenn der Sperrdruck einmal ausfällt? Dazu später mehr!
Bringt man an dem Behälter, der die Sperrflüssigkeit beinhaltet, eine Druckanzeige und eine Standanzeige an, kann der Zustand der GLRD jederzeit kontrolliert werden. Nimmt der Druck sowie der Flüssigkeitsstand kontinuierlich ab, besteht eine undichte an der zweiten, außenliegenden GLRD. Nimmt der Druck aber nur um 1-2 Bar ab und der Flüssigkeitsstand steigt an, dann besteht eine undichte an der ersten, inneren GLRD. Kommen wir aber nun zu den verschiedenen Bauweisen einer Doppeldichtung.